Mit Miniso setzt Sandra Freund auf ihren grössten Coup
Foto: Moritz Hager
MINISO
Ab 2026 Teil der SF Retail AG
Ein Gespür für Trends und den richtigen Moment
Geld sei ihr nicht so wichtig, sie wolle einfach etwas Spannendes machen, sagt Sandra Freund. Bei Miniso habe sie «ein gutes Bauchgefühl». Die 54-Jährige hat die kultigen Lolipop-Läden vor dem Konkurs gerettet und die hippe dänische Dekokette Søstrene Grene in die Schweiz gebracht.
Jetzt will sie mit einem neuen Format durchstarten: Im Berner Einkaufscenter Westside eröffnet sie im Mai die erste Schweizer Miniso-Filiale. Doch das ist erst der Anfang. Die weltweit erfolgreiche Marke aus China soll in der Schweiz abheben. Freund plant, in den kommenden zehn Jahren bis zu zwanzig Filialen im ganzen Land zu eröffnen.
Ein Erlebnis für Kund:innen Design trifft Impulskauf
Wer eine Miniso-Filiale betritt, trifft auf ein buntes Sortiment an niedrigpreisigen Kosmetika und Schreibwaren. Ergänzt wird das Angebot durch Spielzeug, Elektronik und trendige Alltagsprodukte.
Viele Artikel, oft in Pastelltönen und zuckerwattefarben überzeugen durch ein stilvolles Design. Ein besonderer Fokus liegt auf Kooperationen mit bekannten Marken wie Disney, Barbie und Harry Potter.
Globale Erfolgsgeschichte
Hinter Miniso steht ein internationaler Retailkonzern aus China. Die Miniso Group wurde 2013 gegründet und betreibt heute über 8000 Läden in 112 Ländern. 2024 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 2,3 Milliarden Dollar.
Sandra Freund ist überzeugt: «Ich bin 150-prozentig sicher, dass Miniso auch in der Schweiz einschlagen wird.»
Ein Trend, der den Zeitgeist trifft
Branchenexpertin Alexandra Scherrer von Carpathia sieht grosses Potenzial im Konzept. Miniso verbinde Designanspruch mit erschwinglichen Preisen und spontanen Kaufimpulsen, ein relevanter Trend im Schweizer Markt.
In Kombination mit Sandra Freunds Gespür für Standorte ergibt sich eine vielversprechende Ausgangslage.
Mut zum Investment
Die Lancierung wurde lange vorbereitet, aktuell läuft der Endspurt für die Filiale in Bern. Aufgrund langer Lieferzeiten aus Asien musste ein grosser Teil der Ware bereits Monate im Voraus bestellt werden, noch bevor Mietverträge final unterzeichnet waren.
Ein klares Zeichen für unternehmerischen Mut und Überzeugung.
Trendprodukte mit Überraschungseffekt
Ein entscheidender Faktor ist die Produktauswahl. Besonders im Fokus stehen sogenannte Blind Boxes, versiegelte Überraschungspakete, bei denen der Inhalt erst beim Öffnen sichtbar wird.
Dieses Konzept ist in Asien ein riesiger Trend. Ergänzt wird das Sortiment durch beliebte Schreibwaren und Lifestyle-Produkte, die besonders bei jüngeren Zielgruppen gefragt sind.
Inspiration aus aller Welt
Sandra Freund lässt sich stark von ihren Reisen inspirieren. Trends entdeckt sie international, etwa farbiges Popcorn aus den USA, das inzwischen bei Lolipop erhältlich ist.
Auf Miniso wurde sie in Madrid aufmerksam, wo der grösste europäische Store mit über 6000 Artikeln eröffnet wurde. Kurz darauf kam es zur Zusammenarbeit mit dem Konzern.
Qualität neu gedacht
Auf die Frage nach der Relevanz eines weiteren Retailkonzepts aus China sagt Freund:
«Das sind keine Billigprodukte, sondern hochwertiges Design zu attraktiven Preisen.»
Alle Produkte entsprechen europäischen Standards und sind geprüft. China stehe heute nicht mehr automatisch für niedrige Qualität.
Ein umkämpfter Markt
Der Wettbewerb ist intensiv: Konzepte wie Flying Tiger sowie Online-Plattformen wie Temu sind bereits etabliert.
Entscheidend wird daher eine hohe Kundenfrequenz sein, insbesondere angesichts hoher Miet- und Personalkosten in der Schweiz.
Erfahrung, die den Unterschied macht
Sandra Freund bringt umfassende Retail-Erfahrung mit. Nach ihrer Ausbildung und einem Marketingstudium war sie unter anderem Einkaufsleiterin bei Globus und später CEO von Kiko Milano.
2017 gründete sie die SF Retail AG. Heute umfasst ihr Portfolio unter anderem Lolipop, Rigotex und den Concept Store Feinedinge.
Unternehmertum mit persönlichem Einsatz
Beim Aufbau von Søstrene Grene investierte sie ihr gesamtes Kapital, inklusive Unterstützung aus der Familie. In der Anfangsphase verzichtete sie sogar auf ein eigenes Gehalt.
Trotz späterem Erfolg musste sie das Projekt abgeben, als der Mutterkonzern die Expansion selbst übernahm.
Ein neues Kapitel mit Miniso
Bei Miniso soll sich diese Erfahrung nicht wiederholen. Dieses Mal hat Sandra Freund die Vertragsbedingungen genau geprüft.
Mit klarer Vision, internationalem Netzwerk und unternehmerischem Mut startet sie nun in ein neues Kapitel im Schweizer Retailmarkt.
Autor: Edith Hollenstein